"Peinlichkeiten sind Höhepunkte in meinem Leben". Zugegeben eine der weniger originellen der Devisen, an die ich mich in verschiedenen Zeitabständen von meinem To-Do-List Programm erinnern lasse.
Ich fühle mich peinlich berührt. 2002 flog ich "betriebsbedingt" aus meinem letzten , gutbezahlten Angestelltenverhältnis. Letzlich auch persönlich zu Recht, weil ich aufgrund meiner psychischen Schwierigkeiten den größten Teil meiner Arbeitszeit damit beschäftigt war, meine Arbeitsunfähigkeit vor Kollegen und Chefs
zu verstecken. Danach gings abwärts, zuerst kam private Insolvenz, klar, Kreditkarten mit regelmässig wachsendem Kreditrahmen immer bis zum Anschlag ausgereizt; das ging gut, solange regelmässiges Einkommen floss. Dann schnell nicht mehr. Private Insolvenz - befinde mich mitten in der 7-jährigen "Wohlverhaltensphase" - und schliesslich der Horror mit Hartz IV. Aus letzterem bin ich seit 2006 wieder raus, Knast oder Arbeitslager sind vermutlich auch nicht unangenehmer. Aber das Girokonto, aktuell sind da noch 57 Euro Rest drauf, auf Guthabenbasis, vom Insolvenzverwalter überwacht, begleitet mich erst mal die nächsten Jahre, mehr als knapp 1000 Euro Einkommen lassen sie mir nicht.
Aber zum Eigentlichen: ich war vor zwei Wochen bei einem Lexus-Händler gewesen , um mir die Oberklasse anzusehen ( die LS ist der gleiche Level wie der 7er BMW oder Mercedes S-Klasse ), und ich wollte gerne mal das Gefühl haben, in einer Luxuslimo dahinzugleiten. War auch alles gut gegangen, ich hatte mich in Schale geworfen, der Verkäufer strengte sich an, und bot mir zum Schluss nicht nur ne Probefahrt in dem LS 600 an, sondern auch im IS F , einem Sportwagen, vergleichbar dem BMW M3, weil mich der auch begeistert hatte. Schön; ich kämpfte schon seit Tagen mit mir, um anzurufen und einen Termin auszumachen. Der typische innere Krawall blockte mich: "Du bist ein Betrüger", "Du bist böse", "Du bist ein schlechter Mensch" Die ganze Orgie von Schuld rauf und runter halt, wie ich es seit frühester Kindheit gewohnt bin, mit dem Unterschied seit einiger Zeit halt, dass ich mich davon nicht mehr so leicht unterkriegen lasse; denn letzlich ist das nur eine Meinung eines zemlich tyrannischen Teils von mir.
Heute nachmittag endlich zum Anruf durchgerungen, mache Termin aus, da verlangt der Typ ganz unerwartet neben Führerschein und Ausweis auch eine Kreditkarte oder EC-Karte zwecks Sicherheitsleistung. Peng. Mit Letzterem hatte ich in meiner Naivität nicht gerechnet. Wenn ich zum Masstab nehme, was Autovermieter für Luxusfahrzeuge als Kaution verlangen, dann reden wir hier von vielleicht 2000.- oder 3000.- Euro. Das war's für's Erste mit dem Traum; wär mir ohnehin peinlich gewesen mit ner EC-Karte der Sparkasse aufzulaufen.
Damit riecht man wirklich nicht nach Geld....
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