Freitag, 22. Mai 2009

Lexus LS 600

"Peinlichkeiten sind Höhepunkte in meinem Leben". Zugegeben eine der weniger originellen der Devisen, an die ich mich in verschiedenen Zeitabständen von meinem To-Do-List Programm erinnern lasse.
Ich fühle mich peinlich berührt. 2002 flog ich "betriebsbedingt" aus meinem letzten , gutbezahlten Angestelltenverhältnis. Letzlich auch persönlich zu Recht, weil ich aufgrund meiner psychischen Schwierigkeiten den größten Teil meiner Arbeitszeit damit beschäftigt war, meine Arbeitsunfähigkeit vor Kollegen und Chefs
zu verstecken. Danach gings abwärts, zuerst kam private Insolvenz, klar, Kreditkarten mit regelmässig wachsendem Kreditrahmen immer bis zum Anschlag ausgereizt; das ging gut, solange regelmässiges Einkommen floss. Dann schnell nicht mehr. Private Insolvenz - befinde mich mitten in der 7-jährigen "Wohlverhaltensphase" - und schliesslich der Horror mit Hartz IV. Aus letzterem bin ich seit 2006 wieder raus, Knast oder Arbeitslager sind vermutlich auch nicht unangenehmer. Aber das Girokonto, aktuell sind da noch 57 Euro Rest drauf, auf Guthabenbasis, vom Insolvenzverwalter überwacht, begleitet mich erst mal die nächsten Jahre, mehr als knapp 1000 Euro Einkommen lassen sie mir nicht.

Aber zum Eigentlichen: ich war vor zwei Wochen bei einem Lexus-Händler gewesen , um mir die Oberklasse anzusehen ( die LS ist der gleiche Level wie der 7er BMW oder Mercedes S-Klasse ), und ich wollte gerne mal das Gefühl haben, in einer Luxuslimo dahinzugleiten. War auch alles gut gegangen, ich hatte mich in Schale geworfen, der Verkäufer strengte sich an, und bot mir zum Schluss nicht nur ne Probefahrt in dem LS 600 an, sondern auch im IS F , einem Sportwagen, vergleichbar dem BMW M3, weil mich der auch begeistert hatte. Schön; ich kämpfte schon seit Tagen mit mir, um anzurufen und einen Termin auszumachen. Der typische innere Krawall blockte mich: "Du bist ein Betrüger", "Du bist böse", "Du bist ein schlechter Mensch" Die ganze Orgie von Schuld rauf und runter halt, wie ich es seit frühester Kindheit gewohnt bin, mit dem Unterschied seit einiger Zeit halt, dass ich mich davon nicht mehr so leicht unterkriegen lasse; denn letzlich ist das nur eine Meinung eines zemlich tyrannischen Teils von mir.

Heute nachmittag endlich zum Anruf durchgerungen, mache Termin aus, da verlangt der Typ ganz unerwartet neben Führerschein und Ausweis auch eine Kreditkarte oder EC-Karte zwecks Sicherheitsleistung. Peng. Mit Letzterem hatte ich in meiner Naivität nicht gerechnet. Wenn ich zum Masstab nehme, was Autovermieter für Luxusfahrzeuge als Kaution verlangen, dann reden wir hier von vielleicht 2000.- oder 3000.- Euro. Das war's für's Erste mit dem Traum; wär mir ohnehin peinlich gewesen mit ner EC-Karte der Sparkasse aufzulaufen.
Damit riecht man wirklich nicht nach Geld....

Pool

Zur Zeit habe ich einen leichten Durchhänger, und davor fürchte ich mich, ich hab Angst, dass Zeiten, wo ich keine Aktionen starte, wo ich absolut an meine Grenzen und darüber hinaus muss, mich in meinen alten Trott zurückwerfen und ich wieder dahin vegetiere, ohne persönlichen Gewinn. Ich muss mich zwingen, meinen Arsch hochzukriegen, auch wenn das öfter mal eine Quälerei ist.

Auf dem Dach des teuersten Luxushotels der Stadt gibt es einen Swimmingpool, mit einem fantastischen Blick auf die Altstadt ringsherum. Bereits im Winter hab ich mir vorgenommen, dass ich, wenn`s draussen warm und schön ist, dort mal ne Runde schwimmen gehen und am Pool flaggen will, idealerweise bei Sonnenuntergang.
Die kleine Schwierigkeit (abgesehen von meinen ganz grossen, seelischen, Angst, Minderwertigkeitsgefühl - "Du hast kein Recht dazu!"- natürlich) , angeboten wird das nur für Hotelgäste (das billigste Zimmer so ab 400.- Euro/Übernachtung) und ich möchte den Spass zum Nulltarif. Sag mir keiner, was Stress bedeutet.
Seit bestimmt 2 Wochen schieb ich die Aufgabe vor mir her, weil ich mich drücken möchte.

Dienstag, 19. Mai 2009

Der Geruch von Angst

Ich stelle mir vor: der kalte Geruch der Angst ist die Fährte, die mein inneres Raubtier auf die Spur seiner Beute führt. Je kälter und eindringlicher der Geruch, je grösser die Angst, desto fetter die Beute. Ja, die Intensität der Angst ist geradezu ein Maß für die Belohnung, die lockt.

Freitag, 15. Mai 2009

Audi R8

Vorgestern während meines Dienstes am Airport fiel mir der neue Audi R8 5.2 FSI , mit 525 PS (blau mit silberfarbernem Sideboard); er stand gegenüber dem Showroom von Audi Marketing und hatte eine Zulassung. Hmm, mit dem jetzt ne Runde um den Block drehen, tät mir ja schon reichen, wenn ich nur Beifahrer wäre. In München steht der sicher so schnell nicht bei einem Händler für Probefahrten zur Verfügung und bis ich da den Verkäufer so weit gebracht hab, dass der für mich so ein Fahrzeug aus dem Werkspool heranschafft ...
Blöderweise trug ich die , na ja , etwas schäbige Dienstuniform, nach Geld riecht man damit nicht gerade. Aber da ich von ner Kollegin erfuhr, dass man am Wochenende davor ein halbes Dutzend dieser Fahrzeuge für die Presse herangeschafft hatte, war Eile geboten. Ich marschierte also rein, sagte, dass ich mir das Auto gerne mal ansehen würde, da verwies man mich auf ein rotes Exemplar , das gut versteckt , im Ausstellungsraum stand. Eine junge Dame entsperrte das Fahrzeug für mich und ich gönnte mir 15 Minuten im Fahrersitz. Überlegte fieberhaft, wie ich ich meinem Ziel näher kommen könnte. Nachdem ich wieder ausgestiegen war, und ausgiebig die Muster für Farbkombinationen für die Aussen- und Innenausstattung studiert hatte(Demonstration von Begeisterung und Kaufinteresse), fragte ich so lässig wie bei meiner Nervosität nur möglich, ob ich bzw ein Werksvertreter mit mir mal ne Runde um die Flughafengebäude drehen würde; weil es würde ja vermutlich doch ziemlich lange dauern beim Händler (s.o.) und jetzt stünde doch grade ein zugelassenes Fahrzeug hier. Antwort: als Marketingabteilung bieten wir keine Probefahrten für
Privatpersonen an, dafür sei der Handel zuständig ( das wusste ich bereits vorher), ausserdem werde das Objekt in Kürze verladen und ins Werk zurückgebracht. Tja, schade.

Mir fiel als nächster Schritt ein, den Geschäftsführer zu verlangen, denn selbst wenn es policy ist, keine Probefahrten zu offerieren, sollte dessen Kompetenz es doch erlauben, für schlappe 8 oder 10 Kilometer ein Auge zuzudrücken, zumal wenn ein Mitarbeiter die Karre bewegt.
Ich tat's nicht ; mangelnde Zeit wäre zutreffend, aber eigentlich vorgeschoben. Das letzte Rest Coolness dafür fehlt mir momentan und das muss ich mir erarbeiten.

Aber ok. Vor einem Jahr, hätte ich schon einen Riesenkloss im Hals gehabt, überhaupt in die Räume reinzugehen, möglicherweise hätte ich mich noch nicht mal zu fragen getraut, ob ich mich in den R8 reinsetzen darf, wohingegen ich mich heute sofort beim Geschäftsführer beschweren würde, wenn ein Mitarbeiter die "Unverschämtheit" besässe, mich nicht in das ausgestellte Fahrzeug sitzen zu lassen. Vielleicht wär ich letztes Jahr in einem Anfall von Kamikaze-Mut ( hab ich manchmal) reinmarschiert und hätte mit nervöser, halb verständlicher Stimme, und auch stotternd nach der Fahrt gefragt: mit Folgen, die auf der Hand liegen; schon der Empfang hätte mich kalt lächelnd abgebürstet.

Ich habe eine Chance erkannt und unmittelbar ergriffen. Darin besteht der Erfolg meiner Aktion. Früher hätte ich vom Erkennen der Chance bis zur Umsetzung mehrere Tage gebraucht ( begleitet von wachsender Nervosität, Selbstzweifeln und natürlich Schuldgefühlen). Und - ich habe den nächsten Schritt erkannt (zum Geschäftsführer). Vor einem Jahr wär der, wenn ich ihn überhaupt als solchen gesehen hätte, weit ausserhalb meiner Verhaltensmöglichkeiten gewesen( Autoritätsperson, Angst, Stottern statt erforderlicher Selbstsicherheit)

Sonntag, 15. März 2009

Rückblick

Im Intro hatte ich geschrieben, dass ich unter sehr starken sozialen Ängsten gelitten habe (und natürlich immer noch leide, aber in geringerem Maße). Besonders bei Fremden dauert es sehr lange, bis ich auftaue. Ich bin lange sehr zurückhaltend, manche interpretieren das asl Desinteresse oder auch Arroganz. Aber ich brauche Zeit, um die betreffende Person zu beobachten, um sie auf ihre "Gefährlichkeit" mir gegenüber einschätzen zu können. Ich möchte mir keinesfalls eine Blösse geben, halte sozusagen mein Visier runtergeklappt, damit man mir keine Schmerzen zufügen kann. Das ist die zentrale Erwartung meinen Mitmenschen gegenüber, Verletzungen, Herabsetzungen. Es fällt mir schwer zu glauben. andere könnten mir wohlgesonnen sein und sich freundlich verhalten.
Das ist allenfalls ein theoretischer Gedanke. Aufgrund dieser Erwartung war mein Einzelgängertum und mein Zurückgezogensein psychologischerweise die weit angenehmere Variante, noch dazu wo mir das Gefühl von Einsamkeit fremd ist, so merkwürdig sich das anhören mag. Heute möchte darauf eingehen, wie ich einen erfolgversprechenden persönlichen Ansatz gefunden habe, diese Ängste zu reduzieren.
Letzes Jahr habe ich nach einer staatlichenÜberprüfung Zugang bekommen zum Sicherheitsbereich unseres Flughafens. Ich jobbe dort nebenbei ein bischen. Die Fliegerei hat mich schon immer sehr interessiert und ich bin ein großer Luftfahrt-Fan. Natürlich wollte ich mir die Flugzeuge auch von innen ansehen. Aber dazu muss man fragen, und zwar den Kapitän eines Fliegers, denn der ist der Chef und hat die Entscheidungsbefugnis. Aber heutzutage stehen bereits vor den Fliegern oft Sicherheitswachen, die man auch erst mal erfolgreich passieren muss, und da die natürlich erst mal mißtrauisch sind, weil ich nicht zum Personal gehöre, das den Flieger abfertigt, bedeutet schon das Stress. Es gibt mehrere Faktoren, die für mich eine Rolle spielen, wenn ich in eine Maschine will, positive und negative. Positiv ist , dass ich mich in der Materie ein auskenne und den Piloten sinnvolle Fragen stellen kann. Das hilft schon mal den Kontakt zu strukturieren (Fragen möglichst vorher gut überlegen und bereithalten), das Thema
ist natürlich auch klar festgelegt, im Gegensatz zu einer Zufallsbegegnung mit Fremden in der U-Bahn, wo mir kaum mehr einfallen würde, als übers Wetter zu reden, oder dümmer, "in welche Richtung fahren Sie?". Das Negative ist, ich muss zwei oder drei Fremde unmittelbar hintereinander ansprechen , mich vorstellen (gewaltiger Stress, Herzklopfen, Beklemmung, sogar Stottern) und um Erlaubnis bitten, wobei ich Ablehnung als Demütigung empfände (noch mehr Angst). Bereits die kurze Vorstellung empfinde ich aufgrund meines geringen Selbstwertgefühls in der Situation als grosse Qual.Und nicht zuletzt haben Piloten für mich einen hohen Status , ich empfinde sie als Autorität, so lächerlich sich das anhört; und mit Autoritäten habe ich immer schon arge innere Probleme gehabt. Einerseits bin ich im Grunde nicht bereit ihren höheren Status anzuerkennen, andererseits verlange aus Angst genau das nach aussen hin von mir. Eine Art innere Rebellion. Lange Zeit z.B. hatte ich Probleme den Doktor-Titel vor den Namen mich behandelnder Ärzte zu setzen, also vermied ich so gut es ging die Nennung ihres Namens. In der Arbeit waren mir meine Vorgesetzten grundsätzlich zuwider, in der Regel hab ich hintenrum schlecht und geringschätzig über sie geredet, und den direkten Kontakt so gut es ging vermieden.

Wenn es meine Dienstzeit also zuliess habe ich unter der beschriebenen Faktorenkonstellation mich Fliegern genähert und sie betreten, mich mit dem Personal unterhalten, aber unter einem gewaltigen Druck, ich habe es gehasst, trotz allem Interesse. Mehr als zwei oder drei Flugzeuge konnte ich nie besuchen. Der Psychostress war einfach zu gross, es zeriss mich fast, immer wieder Fremde kontaktieren, dabei so einen so souveränen Eindruck machen wie möglich. Und dann auch noch Fragen stellen, nachfragen, ein paar Sätze wechseln. Davor wars fast immer wie die leibhaftige Hölle, danach war ich zwar psychisch komplett erschöpft, und musste ein paar Tage oder länger "Pause" machen, bevor das nächste Abenteuer unternahm. Aber ich hatte das Gefühl, ich mache Fortschritte, ich bin erfolgreich im Kampf gegen meine Angst vor Menschen, die mich bisher immer so gelähmt hatte und zum Nichtstun zwang. Das war sehr ermutigend.
Allerdings waren die Folgen dieser Aktionen stets Selbstzerfleischung, denn da war eine innere Stimme , die mir immer wieder sehr heftige Vorwürfe machte: Du darfst das nie mehr wieder tun, Du bis böse. Du belästigst andere Menschen und störst sie bei der Arbeit, bloss zu deinem Privatvergnügen. Du hast keinerlei Recht sowas zu tun. Und das trug erheblich zu meinen Erschöpfungszuständen bei. Es gab Tage, da konnte ich danach nichts anders als auf dem Bett leigen und vor mich hindösen, so fertig war ich von mir selber.

Freitag, 13. März 2009

Der eingebaute Ideengenerator

weil der sich gerade mit einem neuen Vorschlag, oder sollte ich besser sagen Auftrag, gemeldet hat.
Ich halte mich nicht für einen kreativen Menschen, aber ich habe hier und da nützliche Einfälle.
Im Gegensatz zu Ideen oder Tips die von aussen kommen, sind diese auf mich zugeschnitten, und haben oft eine gewisse Faszination eingebaut. Und da es mir besonders um die Überwindung innerer Widerstände geht, ist dieser Nebeneffekt hilfreich bezüglich meiner Motivation. Ich habe in meinem Leben tonnenweise Selbsthilfebücher und Psychoratgeber gelesen; kann mich aber nicht daran erinnern, wann ich jemals praktische Ratschläge, Handlungsanweisungen, Übungen befolgt hätte. Sie waren langweilig, erschienen mir als schwer umsetzbar, auch wenn das Konzept dahinter
durchaus Sinn hatte. Wenn man Angst überwinden will, dann gibts nur einen Weg: mittendurch. Und sich durchzupeitschen ist oft schon qualvoll genug; wenn man, ausser der erfolgreichen Selbstüberwindung aber unmittelbar noch ein Leckerli bekommt sozusagen, dann hat man zusätzlichen Treibstoff. Ausserdem fliegt einem in der Regel die Idee genau dann zu, wenn man bereit und fähig ist, die Herausforderung erfolgreich anzugehen, ganz unabhängig davon wie schwach, überfordert oder verängstigt man in seiner Fantasie anfangs sein mag. Und daher ist so ein innerer Tipgeber schon eine recht praktische Sache.

Also der Einfall, den ich grade hatte, und der zur Umsetzung ansteht ist: In einem Sterne-Restaurant essen gehen. Gibts ja genug zur Auswahl in unserem Dorf. Viele werden denken, ist doch einfach, da war ich schon öfter, was ist daran schwierig?
Für mich ist es eine ganz ordentliche Herausforderung: ich kann grade mal ne Tüte Pommes bei Burger King unfallfrei ordern, und ich waren schein mal beim Ochsenwirt in Zossenhausen Spätzle essen. Das ist so ziemlich alles, was ich an Vorkenntnissen und Erfahrung habe. Z.B. habe ich keine Ahnung , wie man sich drin unauffällig benimmt (Angst michvor anderen Gästen und dem Personal zu blamieren), ich haben keinen Schimmer, wie , wofür und in welcher Reihenfolge man welches Besteck benutzt.
Ich sehs als Herausforderung, noch hab ich keine Befürchtung , dass es mir den Angstschweiss auf die Stirn treibt, wenn ich in der Situation bin.
Datum und location hab ich noch nicht festgelegt, weil vorher noch andere Aufgaben anstehen.

Intro II

ich hatte immer sehr große Ängste vor meinen Mitmenschen und hab lange zurückgezogen als Einzelgänger gelebt, so lange ich regelmäßig gearbeitet habe, war ich darauf bedacht, möglichst unbemerkt und unbehelligt als Spezialist in einer Nische zu existieren. Geselligkeit interessierte mich nicht und Karriere war ein abstoßender Gedanke; dennoch hatte ich mit je ein , zwei Kollegen immer guten Kontakt, und kam mit anderen , sofern beruflich erforderlich zurecht, wenigstens solange sie nicht die Tendenz hatten mich geringzuschätzen. Gegen Ende 2002 wurde ich "Opfer" einer Entlassungswelle und verlor damit die einzige funktionierende Säule in meinem Leben, Privatleben mit Freunden, Geselligkeit und Ausgehen gab's ja nicht. War mir viel zu anstrengend, menschliche Kontakte waren und sind auch jetzt noch tendenziell keine Quelle von Freude und Wohlgefühl, sondern überwiegend stressbeladen, mühevoll, weil statt halbwegs entspannt ich selber sein zu können, bin ich aus Angst und wegen geringem Selbstwertgefühl gezwungen, eine konsistente Fassade aufrecht zu erhalten; wer will schon was mit einem kaputten Psycho zu tun haben. Das galt schon vor der Arbeitslosigkeit und mit wem sollte ich mich danach überhaupt austauschen können, ausser Psychiater und Therapeuten?!
Zum Absturz bei trug auch die folgende Insolvenz; klar Kreditkarten waren gewohnheitsmässig über die Jahre bis zum Limit ausgereizt worden. Schliesslich landete ich in der Hölle von Hartz IV. Seit Ende 2006 schlag ich mich mit Teilzeitarbeit, Billiglohn-Selbständigkeit u. dgl. durchs Leben. Aber, auch wenn ich ungefähr in Höhe Sozialhilfe-Niveau existiere, bin ich zufrieden mit meinen finanziellen Verhältnissen. Nicht dass ich nicht ein höheres Niveau anstreben würde, ich fühle mich nicht arm, obwohl ich das objektiv gesehen bin. Dieser Hinweis ist wichtig zum Verständnis später folgender Tagebucheinträge, denn meine Handlungen zur Überwindung sozialer Angst und Unsicherheit hatten die letzten 6 bis 8 Monate sehr viel mit Luxus zu tun.

Donnerstag, 12. März 2009

Intro

Hier schreibe ich über meine persönliche Entwicklung, insbesondere geht es um die Protokollierung meines Weges gegen chronische Angst und Schuldgefühle.
Der Hintergrund: ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der wir Kinder nicht erzogen sonder aufgezogen wurden in ähnlichem Sinne wie man Nutztiere hält. Oberste Gebot war "Brav sein" , d.h. Gehorsam, still verhalten, solange man nicht gebraucht wird. Obendrein war mein Verhalten für meinen jähzornigen Vater eigentlich immer falsch, d.h. war ein Verhalten "böse", konnte leicht dessen Gegenteil ebenso mit diesem Attribut belegt sein. Meine allgemeine Strategie dagegen war Rückzug, Schweigen (Bravo!, Kind macht keinen Lärm und bewegt sich nicht)und chronische Schuldgefühle; klar, wenn im Grunde alles falsch ist, was bleibt einem noch übrig, als sich möglichst tief in eine Höhle zu verkriechen?! Ich habe jahrzehntelang gekämpft, alle Arten von Therapien und was weiss ich alles gemacht und unternommen - und bin immer mehr oder weniger gegen eine unsichtbare Wand gelaufen. Der Lebenserfolg war entsprechend bescheiden. Bis ich vor etwa einem Jahr meinen ganz persönlichen Dreh gefunden hab, wie ich mich aus meinem Loch herausarbeiten kann. Das ist der Hintergrund und in diesem Blog schreibe ich über meine Aktionen zur Überwindung meiner Ängste und Schuldgefühle. In erster Linie geht es also um Praxis und dort wo nötig um meinen Bezugsrahmen. Es werden sich sicherlich ein paar Leser finden, die sich angesprochen fühlen und die möchte ich ermutigen, andere mögen meine Einfälle originell finden, sie stammen sicher nicht
aus einem Psycho-Lehrbuch.